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Mwita Mataro und Helmut Karner
Für alle die mehr über Mwita Mataro erfahren wollen, gibt es auch unser ausführliches Interview zu lesen.
AUSTROSCHWARZ verhandelt Fragen von Identität, Zugehörigkeit und Selbstdefinition. Gibt es einen Film im KINO VOD CLUB, der diese Themen auf eine für euch besonders eindringliche Weise behandelt?
Helmut: Um auch einen Kurzfilm hervorzuheben: TRIUMPH DES SCHAUSPIELERS hat mir sehr gut gefallen, weil er das Thema “Stereotype Rollenbesetzung” von Schauspieler:innen mit Migrationshintergrund auf humorvolle Weise behandelt.
Mwita: PARADIES, PARADIES von Kurdwin Ayub hat mich sehr bewegt und glaube auch bisschen unterbewusst hinsichtlich der Arbeit von AUSTROSCHWARZ beeinflusst. Wenn ich an “Identität” denke, assoziiere ich das oft mit Leiden und “nicht ankommen”. Bei PARADIES, PARADIES habe ich das Gefühl, dass Kurdwin dieses Thema mit einer sehr humorvollen Haltung angeht. Das hat mich dann dazu als Österreicher mit Migrationsbiografie ermutigt, meine Geschichte zu erzählen.
Der Film verbindet persönliche Perspektiven mit gesellschaftlicher Analyse. Welcher Film im KINO VOD CLUB ist für euch besonders wichtig wegen seiner und politischer Haltung?
Helmut: C-TV (WENN ICH DIR SAGE, ICH HAB DICH GERN) hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich liebe das surreale Setting des Filmes und außerdem bietet er eine ganz neue Perspektive auf das Thema Barrierefreiheit in den Medien. Was mir besonders in Erinnerung bleibt, sind die humorvolle Aufbereitung und die Detailliebe für die skurrile Studio-Szenerie!
Mwita: EIN TAG OHNE FRAUEN hat mich sehr bewegt. In der Doku geht es darum, dass im Jahr 1975 in Island
90 % der Frauen entschieden, zu streiken. Da ging es nicht nur darum, nicht in die Arbeit zu gehen, sondern auch keine Hausarbeit zu machen. Ziel war es, die selben Rechte wie Männer einzufordern. Es wurden in der Doku Frauen aus unterschiedlichen Bereichen porträtiert, was die Doku so speziell macht. Man kann es bis zur letzten Minute nicht glauben, dass ihr Plan aufgeht und tatsächlich fast alle Frauen streiken und dadurch Island für immer prägen. Das Ganze wird auch mit sehr schönen Animation erzählt.
Musik, Sprache und Selbstrepräsentation spielen in AUSTROSCHWARZ eine zentrale Rolle. Gibt es einen Film im KINO VOD CLUB, den ihr wegen seiner Musik besonders schätzt?
Mwita: OH YEAH SHE PERFORMS von Mirjam Unger kann ich nur empfehlen. Ein sehr ehrliches Portrait über Clara Luzia, Gustav, Luise Pop und Teresa Rotschopf. Die Doku wurde 2012 veröffentlicht, aber ich finde es gibt noch immer viele Parallelen zu heute. Falls wer unter den Leser:innen gerade mit dem Gedanken spielt, ein Musikprojekt zu starten, kann ich “Oh Yeah, She Performs!” umso mehr empfehlen, weil man auch einen sehr guten Einblick bekommt, was es bedeutet, eine Musikkarriere in der Pop-Branche zu starten.
AUSTROSCHWARZ zeigt viele Misstände in Österreich auf. Welcher Dokumentarfilm im KINO VOD CLUB hat euch formal oder erzählerisch besonders inspiriert?
Helmut: EIN TAG OHNE FRAUEN hat mich sowohl aus ästhetischer als auch inhaltlicher Sicht sehr berührt. Ein Film, der aufzeigt, dass gesellschaftliche Veränderung von Machtstrukturen keine Utopie ist. Als Zeichentrick-Fan muss ich auch die wunderschönen Animationen hervorheben! Ansonsten fand ich Katharina Mücksteins FEMINISM WTF großartig, weil er einerseits alle Zuseher:innen abholen kann. Außerdem ist der Film einer der wenigen “Talking Heads“-Dokus , die auch visuell beeindruckend inszeniert sind.
Mwita: DIE DOHNAL von Sabine Derflinger. Da geht es um die erste Frauenministerin in Österreich. Während der Doku habe ich viel geweint und nach der Doku war ich mega wütend, dass ich von ihr in der Schule eigentlich nichts gehört habe.
Also unbedingt schauen, falls dir der Name Johanna Dohnal nichts sagt!
Gibt es einen Film im KINO VOD CLUB, der eurer Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat – ein verborgenes Juwel, das ihr unbedingt empfehlen möchtet?
Helmut: Christin Veith, die Editorin von AUSTROSCHWARZ, hat vor einigen Jahren einen großartigen Dokumentarfilm als Regisseurin geschaffen: RELATIV EIGENSTÄNDIG. Sie hat Berührungspunkte und Brücken zwischen zwei konträren Schulen gebaut und dabei – ohne einen zu stark gelenkten Blick von außen – die Schüler:innen in den kreativen Prozess eingebunden. Ein Film, der nicht “über” Schüler:innen spricht, sondern mit ihnen.
Mwita: Den Kurzfilm MEERESRAUSCH von Helmut Karner kann ich nur wärmstens empfehlen.
Ich weiß nicht, woher Helmut während der Zeit mit AUSTROSCHWARZ die Zeit gefunden hat noch diesen tollen Kurzfilm zu machen. Ich mag es, wie Helmut darin Tragik mit Komik vermischt. Kurz zusammengefasst geht es um eine Person, die mit dem Trinken aufhören möchte. Den Rahmen, in dem das Ganze passiert, könnte man meiner Meinung nicht kreativer erzählen.
Euer letzter Kinobesuch: Welcher Film war es – und hat er euch in irgendeiner Weise für eure eigene Arbeit inspiriert?
Helmut: Ich hab mir die ersten fünf Folgen der dritten Staffel von TWIN PEAKS im Gartenbaukino angeschaut. Hat mein Hirn ordentlich durchgewirbelt.
Mwita: Mir ist es gerade einfach viel zu kalt draußen und ich streame gerade viele alte Filme zu Hause. AUF DER ANDEREN SEITE (VÖ 2007) von Fatih Akin hat mich sehr inspiriert. In dem Film gelingt es ihm meiner Meinung nach, globale politische Themen anhand seiner Figuren spürbar zu machen. Ich habe mir während dem Film oft die Frage gestellt, wie ich in bestimmten Situationen reagieren würde. Sein Film gibt keine Antworten, sondern erzählt, ohne moralisch zu sein.
Habt ihr ein persönliches Ritual rund ums Filmschauen oder Kino – einen bestimmten Ort, ein Getränk, eine Tageszeit oder etwas, das für euch einfach dazugehört?
Helmut: Leider viel zu selten in Programmkinos erhältlich, aber: Nachos mit Käsesauce sind der absolute Hochgenuss! Das gehört für mich dazu. Alternativ tun’s auch salzige Popcorn. Ich gehör leider zu den (unsympathischen) Kinobesucher:innen, die immer etwas essen müssen.
Mwita: Ich mach mich da sehr unbeliebt, ABER ICH LIEBE SÜSSE Popcorn! Vor allem die im Votiv Kino! Die machen sie frisch! Gerne misch ich auch salzige und süße Popcorn. Haters gonna hate. Lovers gonna love.