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Axel Stasny
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Zwei Filme im Paket
Was zunächst als Begegnung während der Dreharbeiten zu LEAVING THE NEST begann, führte zu einer langjährigen Freundschaft und schließlich zu einem zweiten Film. In EIN LEBEN IN FARBE rückt Eleanor ins Zentrum – eine außergewöhnliche Frau, die sich auch im hohen Alter ihre Neugier, ihre Lebenslust und ihr Begehren bewahrt. Wie die beiden Filme miteinander verbunden sind und welche persönlichen Begegnungen dahinterstehen, erzählt Axel Stasny im folgenden Beitrag selbst.
Für mich ist EIN LEBEN IN FARBE (2025) eine Fortsetzung von LEAVING THE NEST (2017). Weniger „Teil 1 und Teil 2“ im klassischen Sinne, sondern zwei miteinander verbundene Langzeitbeobachtungen aus meinen Jahren in New York. EIN LEBEN IN FARBE markiert für mich zugleich den Übergang zurück nach Österreich, wo ich den Film schließlich fertig produzierte.
An einem Drehtag kreuzten sich die beiden Filme zum ersten Mal: Tom, der Protagonist von LEAVING THE NEST, und ich wurden zu einer indischen Tanzparty in ein altes Lagerhaus in Queens eingeladen. Im Kerzenlicht erinnerten die Hallen eher an ein französisches Château als an ein Lagerhaus. Die Gastgeberin – eine ältere Frau mit starkem deutschen Akzent, die später zur Protagonistin von EIN LEBEN IN FARBE werden sollte – tanzte ausgelassen zu Trommelmusik und begrüßte uns mit den Worten: „Ihr könnt machen, was ihr wollt. Tut so, als wäre es euer Zuhause – dann ist es für mich viel leichter.“ Damit war eigentlich schon viel über Eleanor gesagt.
Zwischen Eleanor und Tom entstand schnell eine enge Freundschaft. Sie half Tom aus seiner Obdach- und Arbeitslosigkeit. Tom wiederum wurde zu ihrem Mann für alles – persönlicher Assistent, Innenarchitekt und Verwalter ihrer Liegenschaften. Die beiden wurden beinahe unzertrennlich. Jahre später rückte Eleanor selbst ins Zentrum meiner Kamera.
So durfte ich zwei Menschen, die mir eng ans Herz gewachsen sind, über viele Jahre durch zwei sehr unterschiedliche und außergewöhnliche Leben begleiten. LEAVING THE NEST endet dabei gewissermaßen dort, wo die Geschichte von EIN LEBEN IN FARBE beginnt.
Ein Leben in Farbe Dokumentarfilm / AT 2025 / 71min
Was ich anfangs für Verliebtheit hielt, war Eleanors starkes Festhalten am Leben. Eine Auseinandersetzung mit ihrer Identität, ihrer Selbstakzeptanz und den Erwartungen, die an sie als ältere Frau gestellt wurden.
Mit Eleanor spielte Alter für mich keine Rolle. Wenn man mit ihr sprach, trat es vollkommen in den Hintergrund. Sie war offen, interessiert an der Welt und absolut unkonventionell. In ihrer Art wirkte sie auf mich alterslos. In vielen meiner Filme beschäftige ich mich bewusst mit Protagonistinnen im hohen Alter, auch weil ich empfinde, dass sie unterrepräsentiert sind. Ältere Menschen werden dramaturgisch oft auf bestimmte Bilder reduziert: auf das Schrullige, das Skurrile oder das harmlos Exzentrische. Empfindungen wie Sexualität, Begehren und Liebe werden ihnen dabei häufig abgesprochen oder ins Lächerliche gezogen. Als ein ehemaliger Zivildiener in einem Altenheim kann ich jedoch dafür bürgen, dass Sexualität im hohen Alter nicht aufhört – sie wird vielmehr tabuisiert.
Leaving the Nest Dokumentarfilm / AT 2017 / 51min
Über vier Jahre begleitete ich Tom und reiste immer wieder zwischen New York und Jacksonville. Durch die Offenheit der Familie lernte ich sehr unterschiedliche Seiten ihres gemeinsamen Lebens kennen: Elizabeth, die sich intensiv um Mark und Tim kümmerte, dabei immer wieder an die Grenzen ihrer eigenen körperlichen und gesundheitlichen Belastbarkeit geriet und zugleich um deren zukünftige Selbstständigkeit kämpfte, und Tom, der sich mit fünfzig Jahren seine lange verdrängte Homosexualität eingestand, seine Ehe beendete und in New York ein neues Leben begann.
Je länger ich die Familie begleitete, desto mehr beschäftigte mich die Frage, ob Toms Entscheidung richtig war. Hatte er das Recht, seine Familie zu verlassen, um endlich offen als homosexueller Mann zu leben? Oder hätte er bei Elizabeth und den Kindern bleiben müssen, um sie mit der täglichen Belastung nicht allein zu lassen?
In einem Gespräch sagte Elizabeth zu mir, dass Tom es verdient habe herauszufinden, wer er wirklich sei. Diese Haltung hat mich tief beeindruckt. Gerade weil sie selbst so unmittelbar von seiner Entscheidung betroffen war und danach einen großen Teil der Verantwortung allein tragen musste. Für mich liegt darin ein wesentlicher Konflikt des Films.
Axel Stasny, August 2026
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Axel Stasny wurde 1985 in Wien geboren, studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien und absolvierte 2009 die New York Film Academy unter der Leitung seines Mentors Vojtech Jasny.
Als Produzent, Regisseur und Kameramann wurden seine Arbeiten auf der Academy-Award Shortlist sowie auf Netflix gefeaturet und liefen auf renommierten Festivals wie dem Busan Film Festival, DOC NYC, DOK.fest München, LA Pacific Filmfest, Montreal Film Festival, Raindance Film Festival und Toronto International Film Festival. Axel lebt und arbeitet in Österreich, ist international tätig und ist ein Mitglied von dok.at, der Österreichischen Interessengemeinschaft für den Dokumentarfilm. |


